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Überprüfung des Altersindikators für die jüngere Bevölkerung bei der Finanzbedarfsermittlung im nordrhein-westfälischen Finanzausgleich

Thomas Döring and Thomas Brenner

sofia Sudien 2021, No. 1 https://doi.org/10.46850/sofia.9783941627932

Verschiedene Testregressionen zum nordrhein-westfälischen Gemeindefinanzierungsgesetz (GFG) für die Jahre 2021 und 2022 deuten auf eine mangelnde Signifikanz einzelner Präferenz- und Bedarfsindikatoren im Rahmen des zur Anwendung kommenden robusten Regressionsverfahrens als Grundlage für die Verteilung der Schlüsselzuweisungen im Rahmen des Gemeindefinanzausgleichs hin. Namentlich handelt es sich hierbei um den Präferenzindikator der „Zahl der Einwohner unter 15 Jahre“ sowie den Bedarfsindikator der „Zahl der Halbtagsschüler“. Da der zuletzt genannte Indikator ein fester Bestandteil des Schüleransatzes als dem einzigen Nebenansatz innerhalb des Kreisfinanzausgleichs ist, steht dessen weitere Verwendung als Bedarfsindikator auf Gemeindeebene – trotz des aktuell fehlenden Signifikanznachweises – außer Frage. In Anbetracht dessen lag das Augenmerk der vorliegenden Untersuchung auf einer sowohl finanzwissenschaftlichen als auch statistisch-methodischen Überprüfung des Altersindikators für die jüngere Bevölkerung. Da es an einer ökonomisch eindeutigen Begründung für die Wahl des Präferenzindikators der „Zahl der Einwohner unter 15 Jahre“ mangelt, wird empfohlen, die entsprechende Kontrollvariable in ihrer Ausprägung nicht länger fest vorzugeben. Stattdessen sollte sie flexibel nach Maßgabe dessen bestimmt werden, welche Altersschwelle sich in der Gruppe der Jugendlichen als empirisch signifikant in ihrer Erklärung der Streuung der kommunalen Ausgaben erweist.

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