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Finanzwissenschaftliche Bewertung der Einnahmenpolitik der rheinland-pfälzischen Kommunen im Zeitraum 2009 bis 2015 - Aktualisierung und erweiterte Fortschreibung der Projektstudie aus dem Jahr 2015

Thomas Döring and Franziska Rischkowsky

sofia Sudien 2017, No 1 https://doi.org/10.46850/sofia.9783941627611

Der Verfassungsgerichtshof Rheinland-Pfalz hat in seinem Urteil vom 14. Februar 2012 im Rahmen des Normenkontrollverfahrens betreffend das Landesfinanzausgleichsgesetz in der Fassung des Dritten Landesgesetzes zur Änderung des Landesfinanzausgleichsgesetzes vom 12. Juni 2007 in Verbindung mit dem Landeshaushaltsgesetz 2007/2008 nicht nur auf die Verpflichtung des Landes zur Bereitstellung einer „angemessenen Finanzausstattung“ der Kommunen verwiesen, sondern auch darauf, dass als wesentliche Grundlage für einen funktionsfähigen Finanzausgleich die Kommunen ihre eigenen Finanzierungsquellen „angemessen auszuschöpfen“ bzw. hinsichtlich der Einnahmenerzielung „ihre Kräfte größtmöglich“ anzuspannen haben. Soweit in Anbetracht dessen eine unzureichende kommunale Finanzausstattung das Ergebnis autonomer Haushaltsentscheidungen von Städten, Gemeinden und Gemeindeverbänden ist, sind die damit verbundenen negativen fiskalischen Folgen ausschließlich von den dafür verantwortlichen Kommunen zu tragen. Ziel der vorliegenden Projektstudie war die Untersuchung der Fragestellung, ob die rheinland-pfälzischen Städte, Gemeinden und Gemeindeverbände die ihnen im Rahmen eigenverantwortlich gestaltbarer Einnahmequellen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zur Finanzierung ihrer Haushalte in angemessenem Umfang in den zurückliegenden Jahren ausgeschöpft haben. Das zentrale Ergebnis dieser Überprüfung lautet: Ausgehend von grundlegenden ökonomischen Anforderungen an eine sachgerechte Einnahmenpolitik von Städten, Gemeinden und Gemeindeverbänden ist auf der Grundlage einer umfassend angelegten empirischen Analyse für den Zeitraum von 2009 bis 2015 davon auszugehen, dass die rheinland-pfälzischen Kommunen das vorhandene Potential an eigengestaltbaren Einnahmen zur Finanzierung ihrer Haushalte – wie vom Verfassungsgerichtshof Rheinland-Pfalz im oben genannten Urteil gefordert – nicht „angemessen ausgeschöpft“ und damit folglich auch nicht „ihre Kräfte größtmöglich“ angespannt haben.

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